Hilfsbereit.

Als Paul Bethke Lemonaid Beverages in seiner Küche gründete, ging es ihm nicht um die Limonade.


Jan-Hendrik Simons

Text: Philipp Kohlhöfer // Fotos: Pieter-Pan Rupprecht

Als Paul Bethke Lemonaid Beverages in seiner Küche gründete, ging es ihm nicht um die Limonade. Er wollte einfach nur möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen – und wieder loswerden. Das Unternehmen beginnt mit Kisten voller Limetten und Maracujas vom Großmarkt.

Die Namensidee gibt es da bereits: Lemonaid und ChariTea.

„Der Name sollte den sozialen Mehrwert transportieren“, sagt Gründer Paul Bethke, „ganz klar.“ Das Produkt muss noch gefunden werden, und so werden zu Hause, in der Küche der WG im Karoviertel, die Zutaten gemischt, verworfen, verändert. Wieder und wieder.

Schließlich werden Freunde eingeladen. Hausgemachte Marktforschung: Die Freunde machen Kreuze dort, wo sie etwas lecker finden. Bethke sagt: „Vom Rumprobieren in der Küche bis zur professionellen Abfüllung hat es ein halbes Jahr gedauert.“ 2008 war das. Hundert Leute arbeiten mittlerweile bei Lemonaid Beverages, es ist eine Erfolgsgeschichte, die ein Ziel hat, das noch immer ziemlich verrückt klingt: Möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen, um es möglichst schnell wieder loszuwerden.

Als Paul Bethke Lemonaid Beverages in seiner Küche gründete, ging es ihm nicht um die Limonade.

Paul Bethke will trinkend die Welt verändern.

Zumindest einen Teil davon. Er sagt: „Wir waren uns ziemlich sicher, dass das funktionieren würde.“ Allerdings hatte er diese Ansicht damals exklusiv. Banken fanden die Idee nicht besonders gut, schließlich war es vor zehn Jahren noch nicht besonders modern, Sozialunternehmer zu werden. Schlaflose Nächte habe er dennoch nie gehabt, sagt Bethke. „Hat ja dann doch noch geklappt“, sagt er lapidar.

Er sitzt in seinem Büro in der Rindermarkthalle in Sankt Pauli. Er mag die zentrale Lage und die Vielschichtigkeit des Viertels. Kleine Läden, große Ideen, alles da. Einen großen Teil seiner Jugend hat er hier verbracht. „Das ist mein Zuhause“, sagt er, „wilde Jugenderlebnisse, Freunde, Familie, Erinnerungen an die Kindheit.“ Am Ende, sagt er, sei ein Zuhause aber ja auch ein Umfeld, in dem man sich wohlfühle – und das treffe nicht nur auf Sankt Pauli zu, sondern eben auch auf Sri Lanka.

Ein Haus bauen, ein Auto kaufen. Ist das wirklich das, worum es im Leben geht?

16 Jahre alt war Bethke, als er einen neuen Blick auf das Leben suchte. War es wirklich das Ziel, ein Haus zu bauen und ein Auto zu besitzen? Ging es nur ums Geldverdienen? Fragen, die man als Teenager hat, die aber deswegen nicht schlecht sind. „Ich wollte in ein Land, in dem eine andere Grundphilosophie gelebt wird.“

Ein westliches Land kam daher nicht infrage, das Denken dort war dem in Deutschland zu ähnlich. „Eine Reihe von Zufällen“, erklärt Bethke, wenn man fragt, warum es dann ausgerechnet die Insel im Indischen Ozean wurde. Er blieb, machte dort Abitur und schloss das Land ins Herz, wie man das nur mit seinem Zuhause machen kann. Als er Jahre später wieder nach Deutschland kam, wusste er, dass da mehr sein muss als die Karriere.

Es ist eine privilegierte Warte, von der Bethke herabblickt, nicht jeder kann das, und das weiß er auch. Aber das heißt ja nicht, dass man diese Chance nicht nutzen darf. Im Gegenteil: „Aus der Situation, in die ich hineingeboren bin, kann ich doch so viel mehr machen, als mich nur um mich selbst zu kümmern.“ Er sagt: „Mir macht das Freude, etwas weitergeben zu können.“ Denn natürlich sei in Sri Lanka nicht alles perfekt. Aber als Bethke wieder nach Deutschland kam, hatte er ein Stück des Landes mitgenommen. Er wusste: Ein Zuhause ist nicht geografisch verortet. Es ist der Ort, an dem man sich geborgen und verstanden fühlt. „Das ist Hamburg. Das ist aber eben auch Sri Lanka.“ Vielleicht, dachte er, konnte man das angleichen. Etwas mehr große Themen hier, etwas mehr materiellen Wohlstand dort. Er nennt das: „Die beiden Zuhause zusammen bringen.“

Paul Bethke will trinkend die Welt verändern.

Ich bin kein Limonadenverkäufer, sagt er.

„Der Hilfsgedanke war zuerst da. Der Getränkeverkauf ist nur das Mittel zum Zweck.“ Eine Firma schien ihm der richtige Weg zu sein. Zuvor war Bethke bereits Entwicklungshelfer gewesen.
Für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) war er nach dem Studium nach Sri Lanka gegangen, schließlich kannte er sich aus. Nach dem Tsunami Ende 2004 ging es da rum, dem Land mit deutschen Steuermillionen beim Wiederaufbau zu helfen, aber Bethke war nach ein paar Monaten wieder weg. Es ging ihm zu langsam. Es schien ihm zu ineffizient. Es passte nicht zu dem, was er wollte.

16 Jahre alt war Paul Bethke, als er einen neuen Blick auf das Leben suchte

Was Paul Bethke auch nicht wollte: Geld sammeln. Auf Spenden angewiesen sein. Das hart Erarbeitete anderer Leute ausgeben. Er fand es anmaßend, über Geld zu verfügen, das ihm nicht gehört. Er erklärt: „Ich fand einen anderen Ansatz spannender.“

Warum nicht ein Produkt kreieren und mit dem Produkt helfen?

Es sollte sich am Markt behaupten können, sich selbst finanzieren. Eine Firma, dachte er, muss transparent sein und effizient, die Kunden erwarten das, die Mitbewerber garantieren es. Sie wird kontrolliert und schließlich gäbe es Angestellte, die sich ins Zeug dafür legen, die Idee groß werden zu lassen. „Nur wenn ich das Geld, mit dem ich Projekte unterstützen will, auch selbst verdiene, habe ich einen Bezug dazu. Dann achte ich besser drauf, wie es verwendet wird.“

Am Anfang dachten alle, dass ich total bekloppt bin.

Der Kredit, der dann doch irgendwann kam, brachte die Idee ins Rollen. Wichtiger sei aber etwas anderes: „Unsere Firmenkultur ist der Erfolgsfaktor.“ Das Freundschaftsgefühl hat er von der WG in die Firma gerettet. Das Team fährt zusammen in den Urlaub und geht zusammen aus. Und unterstützt zusammen Projekte. Man hilft sich. Wie man das zu Hause eben tut.

Warum nicht ein Produkt kreieren und mit dem Produkt helfen?
Die Namensidee gibt es da bereits: Lemonaid und ChariTea.

2012 wurde ChariTea green von ÖKO-TEST mit „Sehr gut“ bewertet.

HaspaJoker Kunde ohne App? Das lässt sich ändern.
HaspaJoker Kunde ohne App? Das lässt sich ändern.

Doch nicht nur Getränke werden in Bezug gesundheitsschädliche Zusätze und den Gebrauchswert unter die Lupe genommen. ÖKO-TEST bietet fundierte Testberichte von über 100.000 Produkten und Dienstleistungen aus allen Lebensbereichen.

Und HaspaJoker Kunden erhalten alle verfügbaren Einzelartikel und Testberichte von ÖKO-TEST kostenlos.

HaspaJoker Kunde ohne App?
Das kann man ändern:

Noch kein HaspaJoker Kunde?
Dann geht’s hier lang: Girokonto eröffnen

Vielleicht interessiert auch: