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Gentrifizierung.

Einfach das Leben oder schlecht für die Seele: ein Streitgespräch.


Jan-Hendrik Simons
Gentrifizierung.

Text: Natalia Sadovnic // Fotos: Nina Struve

Gentrifizierung ist Weiterentwicklung oder einfach: das Leben.

Meine Enttäuschung über die Gegner der Gentrifizierung begann vor vier Jahren, als ich mit gut 100 Menschen durch Ottensen spazierte. Anlass war der geplante Umbau des Zeise-Parkplatzes, der damals viele aufregte. Die Organisatoren sprachen über steigende Mieten und Verdrängung im ehemaligen Arbeiterviertel. Unangenehm wurde es, als wir in einem Luxus-Wohngebiet haltmachten. Während seine Bewohner uns von ihren Balkonen aus beobachteten, rief der Guide in den Lautsprecher: „Wir wollen euch hier nicht!“

Wer gegen Gentrifizierung protestiert, stellt meist sinnvolle Forderungen.

Mehr sozialer Wohnungsbau, Erhalt von Kunst und Kultur. Doch der hysterische Ton der Debatte löst bei mir Allergien aus. „Weg mit den Reichen“ ist für mich keine politische Haltung, sondern pubertärer Nonsens. Vielleicht liegt es daran, dass ich aus der ehemaligen Sowjetunion komme, die das auch schon ausprobiert hat. Spoiler: Hat nicht geklappt.

Wenn es um die sanierungsbedingte Aufwertung eines Stadtteils geht, schlummern zwei Seelen in der Brust unserer Autorin.

Selbst bei einer größtenteils sozial verträglichen Veränderung wie in Wilhelmsburg wird als Erstes protestiert.

Dass ein bisschen Aufwertung auch gut sein kann, sehen Gentrifizierungsgegner nicht ein. Bei aller Gefahr, spießig zu sein: Sind vollgepinkelte Altbau-Fassaden wirklich die beste Vision für eine Stadt? Bin ich konservativ? Oder sind es diejenigen, die jede Veränderung grundsätzlich ablehnen? Was viele gerne vergessen: Bevor die Schanze schmuddelig wurde, war sie ein absolut gutbürgerlicher Stadtteil. Vielleicht wird sie es bald wieder. Things change!

Gentrifizierung ist Weiterentwicklung oder einfach: das Leben.

Als Barmbekerin warte ich nur darauf, …

… dass Schanze und Ottensen für unabhängige Theater, coole Plattenläden oder bio-vegane Restaurants zu teuer werden und sie endlich in meine Nähe kommen. Vielen Horn-, Veddel- oder Billstedt-Bewohnern geht es vermutlich ähnlich. Kunst und Kultur werden immer einen Platz finden, auch wenn sie manchmal ein wenig suchen müssen.

Natürlich muss es ein Recht auf bezahlbaren Wohnraum geben.

Doch es gibt kein Recht auf günstiges Wohnen in einem zentral gelegenen hippen Viertel, in dem sich nichts verändern darf. Es gibt kein Recht auf Stillstand. Warum sollten in Ottensen nicht auch Luxuswohnungen entstehen? Weil sie zu unliebsamen Veränderungen beitragen? Herzlichen Glückwunsch – das tun wir alle. Jeder, der einen Caffè Latte trinkt, abends in eine Bar geht, der eine schöne Wohnung in einem überbewerteten Viertel hat oder am Wochenende cornert – wir machen alle mit. Diese Entwicklung heißt Leben. Aber was wäre denn die Alternative?
Ich persönlich möchte sie, ehrlich gesagt, nicht so bald erleben.

Gentrifizierung ist schlecht fürs Portemonnaie – und die Seele.

Der Plattenladen, der nach zwanzig Jahren schließt. Der unabhängige Club, der einem schnöseligen Szene-Laden weichen muss. Der Künstler-Werkhof, der nach dem Verkauf an Großinvestoren vom Verschwinden bedroht ist. Zardoz, Hasenschaukel, Bernstorff 117: Lediglich drei Beispiele für die Entwicklung, die inzwischen fast jeden Hamburger auf die Palme bringt. Ganz zu schweigen von Familien, die die Wahl zwischen Stadtrand und nicht mehr Stadt haben, oder Studenten, bei deren WG-Suche es brutaler zugeht als bei Heidi Klum.

Sankt Paulianer, Schanzianer, Ottenser, sie können ein wütendes Lied davon singen.

Von knappem Wohnraum und Mieten, die längst auch für den Mittelstand unbezahlbar sind. Von der Sterilisierung ganzer Einkaufsstraßen, der Skrupellosigkeit der Vermieter. Von Altbaublöcken, die für Luxuswohnungen abgerissen werden, und Ladenpreisen, die Neugründungen unmöglich machen. Von Verdrängung, die sich als „Aufwertung“ tarnt, und auch nicht vor Kunst und Kultur haltmacht.

Auch rechts der Alster wird aufgewertet, was das Zeug hält.

In Barmbek, wo ich wohne, stehen plötzlich überall neue Eigentumswohnungen, schicke Bürogebäude, Biomärkte. 2019 kommt ein großes Einkaufszentrum. Eine lebendige Kreativszene, die protestieren könnte, gibt es hier nicht. Und wie überall, steigen auch hier die Mieten.
Wenn ich überlege, warum ich mich nach fünf Jahren als Barmbekerin hier heimisch fühle, liegt es sicher nicht am neuesten Hipster-Café. Sondern an der Bar, die schon vor mir hier war und in der ich immer guten Wein und eine Geschichte bekomme. Am leicht schmuddeligen Asiaten, dessen Wan-Tan-Suppe mich nach einem stressigen Tag besänftigt. An der türkischen Blumenverkäuferin, die von ihrer Heimatstadt erzählt, während sie den Geburtstagsstrauß für meine Mutter bindet. Oder am alteingesessenen Fischladen mit fangfrischem Fisch. Der jetzt leider einem Hotelneubau weichen muss.

Gentrifizierung ist schlecht fürs Portemonnaie – und die Seele.

Neu und chic, das allein schafft keine Lebensqualität.

Es sind diese Orte der Kontinuität, an denen man bekannte Gesichter sieht und man einfach Nachbar sein kann. Nur sie machen die Stadtteil-Seele aus. Mit jedem Gemüsemarkt, jeder Eckkneipe oder Partyinstitution, die schließt, geht ein Stück davon verloren. Gerade in unserer unruhigen, hoch-technologischen Zeit braucht es diese Entspannungs-Oasen, diese Sicherheitsinseln dringender denn je. Hoffentlich gehen sie uns nicht so schnell verloren.

Hamburg – von Hamburgern gestaltet.

Laut Wörterbuch bezeichnet „Gentrifizierung“ die „Aufwertung eines Stadtteils durch dessen Sanierung oder Umbau mit der Folge, dass die dort ansässige Bevölkerung durch wohlhabendere Bevölkerungsschichten verdrängt wird.“

Es mag tatsächlich zu den unumstößlichen Tatsachen des Lebens gehören, dass das Alte stets vom Neuen verdrängt wird und dies nicht nur für Gebäude oder Geschäfte, sondern eben auch für Menschen gilt.

Wer gegen Gentrifizierung protestiert, stellt meist sinnvolle Forderungen.

Was aber nicht heißt, dass man die Art und Weise einer „Aufwertung“ nicht mitgestalten kann.

Und sei es nur, indem man sich engagiert – sei es mit Hand, Herz oder Geldbeutel. Die Haspa unterstützt von jeher auf vielfältige Art gemeinnützige Projekte in Hamburg und bietet Hamburgerinnen und Hamburgern die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden …

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HaspaJoker Kunde ohne App? Das lässt sich ändern:

Weil die Haspa ein Stück Hamburg ist, bietet sie nicht nur die Möglichkeit, sich in Hamburg zu engagieren, sondern engagiert sich auch für die Hamburgerinnen und Hamburgern. In ihren Konten für alle Hamburger ist vom Schlüsselfund-Service über zahlreiche Schutz- und Versicherungsservices bis hin zu vielfältigen Rabatten in Hamburger Geschäften einiges dabei, um den Alltag in Hamburg wenn nicht lebenswerter, dann zumindest erschwinglicher zu gestalten.

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